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31.05.2024

90 Jahre - Sechs Thesen der "Bekenntnissynode von Barmen" (29.-31. Mai 1934) Theologische Erklärung von P.i.R. Udo Wolten

Im Evangelischen Gesangbuch sind unter der Nummer 810 die sechs Thesen der "Barmer Bekenntnissynode" abgedruckt. Sie wurden vor genau 90 Jahren (29.-31.Mai 1934) diskutiert und verabschiedet. Sie sollten Antwort auf die Veröffentlichungen der "Deutschen Christen" sein. Diese meinten u.a., dass sich die Führer-Ideologie der Nationalsozialisten auch in der Kirche widerspiegeln solle. Nach ihrer Meinung war den Christen das Alte Testament nicht mehr zumutbar. Dass sich Völker vermischen, sei eine Sünde.


 
Die Männer und Frauen in Barmen wollten demgegenüber ein anderes Zeichen setzen: "Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben" (These 1) und in These 3 lesen wir "Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen."

Die Mehrheit der Kirchenvertreter und der Kirchenmitglieder ließ sich von diesen Äußerungen aber nicht beirren und folgte der neuen (nationalistischen) Ideologie.
Allerdings muss auch eingeräumt werden, dass die Barmer Synode noch nicht soweit war, "über den Tellerrand" zu schauen. Die Herabsetzung, die Anfeindungen und die Verfolgung der jüdischen Geschwister durch die NS-Machthaber waren nicht im Blick.  Dazu fehlt jegliche Äußerung.

Trotzdem bleiben die "Barmer Thesen" ein Markenzeichen, das auch heute noch Beachtung finden sollte. Sie rücken in den Mittelpunkt, was für die Kirche(n) weiterhin gelten sollte, ja gelten muss: Das Bekenntnis zu dem einen Gott, der alle Grenzen aufhebt, durch Jesus Christus die Liebe zum Maßstab macht und dessen Geist die Menschen eint.  
Die hannoversche Landeskirche hat sich 2019 dazu entschlossen, die "Theologische Erklärung von Barmen" auch in der Präambel unserer Verfassung zu verankern.     

Udo Wolten

Jahreslosung 2024: "Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe" , 1. Korintherbrief 16,14 (L)