Impressum  |  Datenschutz

Sorge für die Seele


Offene Kirche

Die niedersächsische Landesregierung hat es ermöglicht, dass Kirchen an den Feiertagen geöffnet werden.
Die Marktkirche St. Nicolai wird deshalb von Karfreitag bis Ostermontag jeweils von 12 bis 16 Uhr zum Gebet Einzelner geöffnet sein.
Dabei gelten die Abstandsregeln wie gewohnt, es findet kein Gottesdienst statt.

Sie haben in der Kirche die Möglichkeit
• eine Kerze zu entzünden
• in Ruhe zu beten
• an der Wäscheleine guter Worte einen Text mitzunehmen oder aufzuhängen
• ein Passionsbild zu betrachten
• und ab Ostersonntag sich an der Osterkerze zu erfreuen

Herzlich willkommen!


Tag 26 - Mittwoch 8. April

Liebe Leserin, lieber Leser,

leider habe ich in den letzten Tagen nicht geschrieben.
Die Feiertage haben doch einige Vorbereitungen erfordert.

Sie erhalten in diesen Tagen einen Sondergemeindebrief, den mehrere Gemeinden gemeinsam zu Ostern auf den Weg gebracht haben. Sie finden Gedanken zu Karfreitag und Ostern, eine Bastelidee für Kinder, eine Hausandacht und Hinweise auf Fernseh- und Radiogottesdienste.

Gemeinsam mit dem Kantatengottesdienstteam habe ich an einer Produktion für radio aktiv gearbeitet: am Karfreitag können Sie von 8 bis 9 Uhr Musik der Hamelner Kantorei hören. Es erklingt die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach mit Gedanken zur Passion.
Am Ostermontag werden dann Auszüge aus der c Moll Messe von Wolfgang Amadeus Mozart präsentiert, zusammen mit theologischen Beiträgen zum Osterfest.

Schließlich gibt es noch die gute Neuigkeit, dass das Land Niedersachsen eine Öffnung der Kirchen für das Gebet Einzelner (nicht für Gottesdienste) ermöglicht. Es gelten die üblichen Abstandsregeln. Wir planen, die Marktkirche von Karfreitag bis Ostermontag jeweils von 12 bis 16 Uhr zu öffnen. Sie finden dort die Möglichkeit, an zwei verschiedenen Stellen Kerzen zu entzünden, ein Passionsbild zu betrachten, in Ruhe zu beten oder einen Text von der Wäscheleine mit zunehmen – vielleicht auch einen eigenen dort hinzuhängen.
Herzlich willkommen!!

Auf dieser Seite geben wir in den nächsten Tagen Hinweise zu allen Fernseh- und Radiogottesdiensten sowie weiteren christlichen Sendungen oder stellen diese ein.

Kommen sie behütet durch die Kar- und Ostertage.
Trotz allem wünsche ich Ihnen schon jetzt: Frohe Ostern!

Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Tag 21 – 3. April 2020

Lieber Leser, liebe Leserin,

„Es war so schön, die Glocken wieder zu hören!“ meinte eine Frau am Telefon. „Ich habe extra das Fenster aufgemacht.“

Die Glocken erzählen etwas, wenn man sie ein wenig zu deuten weiß.
In der kommenden Karwoche lässt sich am Klang der Glocken erkennen, welcher Tag gerade ist.

Es beginnt mit einem Einläuten der Karwoche am kommenden Sonntagabend um 19.30 Uhr. Das ist bei uns nicht üblich, aber in diesem Jahr deutschlandweit ökumenisch verabredet.
Es ist Palmsonntag, die Palmzweige erinnern daran wie Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem der Weg hergerichtet wurde wie einem König.
In katholischer Tradition werden auch heute verschiedene grüne Zweige zusammengebunden, mit Weihwasser besprengt und so gesegnet mit nach Haus genommen.

Am Karfreitag läuten wir nur mit der tiefsten Glocke, sowohl morgens zum Fernsehgottesdienst, als auch nachmittags zur sogenannten „Sterbestunde Jesu“.

Dann schweigen die Glocken. Man sagt, sie trauern gemeinsam mit uns, weil Jesus verstorben war.

Doch am Ostersonntag erklingt wieder das volle Geläut, alles, was im Turm hängt soll fröhlich verkünden: Der Herr ist auferstanden! Wir läuten um 9.55 Uhr den Fernsehgottesdienst ein und mittags um 12 Uhr wieder mit sehr vielen katholischen und evangelischen Kirchen Deutschlands zusammen: ein deutlich hörbares Zeichen, dass Ostern ist, obwohl wir uns nicht treffen können.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Tag 19    1. April 2020

Lieber Leser, liebe Leserin,

heute kam die Meldung, dass die derzeitigen Beschränkungen noch bis einschließlich 19. April aufrecht erhalten bleiben.
Auch wenn wir meiner Einschätzung nach nicht davon ausgehen können, dass dann sofort wieder alles möglich sein wird, so können wir doch hoffen, dass es nach dem 19. April die ein oder andere Lockerung geben wird.
Und das bedeutet – jedenfalls wenn ich seit dem Tag rechne, an dem wir beschlossen haben, keine Gottesdienste mehr feiern zu können – Halbzeit.

Hoffentlich also haben wir die Hälfte geschafft. Zeit sich auf die Schulter zu klopfen!
Immer Abstand gehalten, durchgehalten bis jetzt, das Alleinsein bis heute überstanden, die Kinder ohne allzu großen Knatsch bis hierher gebracht und immer noch Toilettenpapier im Haus ;)

Im Ernst: wir loben uns meist zu wenig. Wir denken an Misslungenes lange, aber an das was geklappt hat, eher selten. Wir machen uns viele Sorgen, doch die Gedanken an Gutes und Schönes geraten ins Hintertreffen.

Deshalb heute:
Überlegen Sie sich fünf Dinge, die Sie in den letzten Tagen ganz gut hinbekommen haben.
Ich zum Beispiel hatte mir einen Arbeitsplan gemacht und ich bin ganz zufrieden damit, wie ich ihn bisher erfülle. Klappt nicht alles, aber doch das meiste. Und der Austausch mit meinem Mann ist auch gut.
Was ist es bei Ihnen?

Und bevor Sie schlafen gehen, denken Sie ruhig auch noch einmal an das, was heute und in den letzten Tagen schön war. Ich habe mich zum Beispiel heute auf dem Friedhof an einem Eichhörnchen und einem Eichelhäher erfreut, die fast direkt vor meiner Nase weghüpften und an den vielen dicken Knospen an den Bäumen. Der warmen Sonne.

Sammeln Sie also ruhig jeden Tag ein paar gute Gedanken und loben sie sich selbst, auch dafür, dass Ihnen schlicht der Alltag gelingt – denn der ist grade wenig selbstverständlich.

Das ist gar nicht unchristlich, denn z.B. im Markusevangelium Kapitel 12, Verse 30 und 31 heißt es ganz bewusst: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.

Einen schönen Abend und eine gesegnete Nacht wünscht Ihnen
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Tag 18  31. März 2020

Lieber Leser, liebe Leserin,
gut eineinhalb Wochen sind es noch bis Ostern. Vermutlich haben auch Sie sich schon gefragt, wie Sie diesen Tag verbringen werden. Alle Planungen, sich in der Familie zu treffen oder zu verreisen, sind hinfällig. Was machen wir nur dieses Jahr zu Ostern???

Hier kommt eine frische Idee: Bemalen Sie Ostersteine und legen Sie sie in die Natur. Jemand anderes wird sie finden und sich darüber freuen.
Die jungen Pastorinnen, die diese Idee in der Nordkirche verbreiten, verbinden das dann gleich noch mit dem Internet: wenn man einen Stein sieht, macht man ein Foto und stellt es online. Wenn das was für Sie ist, hier ist der Hinweis, wie´s geht: https://www.mi-di.de/magazin/ostersteine
Aber es geht auch ohne Internet: Steine sammeln, mit wasserfesten Stiften oder Acrylfarbe bemalen, etwas klaren Nagellack/Klarlack drauf und an den Wegrand legen.

Was werden Sie malen?
Was drückt Ihre Osterhoffnung aus?

Am Ostermorgen finden die Frauen den Stein vor dem Grab weggerollt.
Dieser weggerollte Stein ist das Zeichen:
Gott ist stärker als der Tod!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng

PS Wenn Sie ein Foto Ihres Steins schicken, gebe ich es gern hier auf der Homepage weiter


Tag 17.  30. März 2020

Lieber Leser, liebe Leserin,

in den letzten Tagen lese ich mehr und mehr Artikel, in denen Fragen aufgeworfen werden, was die „Coronakrise“ für Auswirkungen haben, was sie in unserer Gesellschaft und auf der ganzen Welt dauerhaft verändern wird.
Manche sorgen sich, dass der Egoismus zunehmen wird, jedes Land, jeder Mensch mehr auf sich selbst gucken wird.
Andere haben Hoffnung, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die zurzeit allenthalben zu Tage tritt, unsere Welt auch mittelfristig ein wenig besser machen wird.

Was denken Sie?

Ich lese sonst ehrlich gesagt so gut wie nie die Sportseiten unserer Tageszeitung, aber neulich stolperte ich über einen Artikel über einen sehr nachdenklichen Sportfunktionär. Er meinte, so wie bisher könne man nicht weiter machen. Leider weiß ich nicht mehr genau, was er schrieb, aber es verwunderte mich. Er schien das ständige Mehr – Weiter - Höher unterbrechen zu wollen.

Für mich steht die Geschichte vom Turmbau zu Babel schon lange dafür, dass wir mit einem immer größeren Wachstum letztlich scheitern werden.
Ich finde es gut, wenn uns diese Krisenzeiten zum Nachdenken veranlassen über unser Leben.

Zugleich bin ich protestantische Christin, das heißt mir ist unser Sündersein, unser Unvermögen immer präsent. Wir werden nicht fehlerlos, wenn wir jetzt unser Leben selbstkritisch überdenken und manches ändern.

Aber dass wir so weitermachen wie bisher und nichts aus einer Krise lernen, keine Schlussfolgerungen ziehen, das wäre nun auch dumm. Und auch das entspricht nicht der protestantischen Lehre, denn Luther betonte, dass wir jeden Tag aufs Neue „auferstehen“ sollen, also Fehler ablegen, ja (durch die Taufe) abwaschen sollen und als neue Menschen Gutes tun sollen (siehe unten).

Vielleicht haben Sie ja Zeit zum Nachdenken, was Sie in Ihrem Leben ändern möchten.
Und auch, was sich in der Welt ändern möge.
Ich freue mich ganz besonders, dazu von Ihnen zu hören!

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng
Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de
0175 99 52 777


aus Luthers Kleinem Katechismus:
Was bedeutet denn solch Wassertaufen?
Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.
Wo steht das geschrieben?
Der Apostel Paulus spricht zu den Römern im sechsten Kapitel: "Wir sind mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln."




Tag 14  27. März 2020


Liebe Leserin, lieber Leser,

heute vor zwei Wochen haben wir entschieden, nicht mehr zu  Gottesdiensten zusammenzukommen in der nächsten Zeit.
Was damals für mich kaum vorstellbar war, ist mittlerweile Alltag geworden.
Wir haben eingesehen, dass diese Maßnahmen wichtig sind und halten uns daran. Die Fragen, wie lange sie noch gehen müssen, bleiben unbeantwortet. Aber:
wir haben zwei Wochen geschafft – Gott sei Dank!!!

Seit Tagen frage ich mich, welche Auswirkungen diese Phase unseres Lebens eigentlich haben wird. Die wirtschaftlichen Folgen machen vielen sicher die allermeisten Sorgen.
Ich denke aber auch an andere „Kleinigkeiten“ des gesellschaftlichen Alltags: werden wir uns irgendwann einmal wieder mit einem Handschlag begrüßen oder wird der ganz aus der Mode kommen?

Zur Zeit begegne ich ja nicht gerade vielen Menschen, aber gerade bei Trauerfeiern merke ich, wie mir die Möglichkeit der körperlichen Nähe fehlt, mich sozusagen sprachlos macht. Ich weiß gar nicht recht, wie ich das, was ich sonst mit einem warmen Händedruck zum Ausdruck bringe, jetzt in Worte fassen soll.
Ich merke, wie mir diese Art der Kommunikation fehlt und was ich sonst alles über ein einfaches die-Hand-geben schon verstehe. Manche geben mir die Hand und drücken fest zu, andere sind da sehr zurückhaltend, manche halten meine Hand lange fest, als sollte die Nähe, das Gespräch, die Vertrautheit auf keinen Fall aufhören. Ich kann mein Mitgefühl nicht nur durch das, was ich sage, zum Ausdruck bringen, sondern auch, indem ich meine Hand leicht auf den Unterarm einer Trauernden lege.

All dieser Kommunikation sind wir zur Zeit beraubt. Das macht regelrecht etwas unsicher. Ich muss mir neu Worte als Ersatz überlegen, Gesten wie eine kleine Verbeugung ausprobieren. Fast muss ich ein wenig lachen: meinen letzten Knicks habe ich vor vielen Jahrzehnten gemacht, jetzt wäre er eine unter den derzeitigen Umständen noch mögliche Geste, die aber wohl kaum noch jemand verstehen würde.

Doch ich vermute, dass wir Ersatzworte und -gesten brauchen, damit unser Miteinander nicht missverständlich wird. Ich möchte bei einer Trauerfeier ja nicht als distanziert und kühl wahrgenommen werden, sondern als einfühlsam und mitfühlend.

Mit den besten Wünschen für Ihre Begegnungen in Coronazeiten
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Tag 11    24. März 2020
Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesen Tagen habe ich denkwürdigerweise mehr Gespräche über den Glauben als in meinem normalen Arbeitsleben.
Aus einem einfachen Mailwechsel aus Anlass der Absage einer Veranstaltung wird ein theologisches Gespräch. In einem Telefonat sagt jemand, wie in dieser Situation auf einmal viel deutlicher wird, was wirklich wichtig ist im Leben.
Schon der alte Satz „Not lehrt beten“ zeigt etwas von dieser Erkenntnis, dass dann, wenn unser Leben wovon auch immer bedrängt wird, wir uns mehr auf unseren Glauben besinnen. Vielleicht wächst manchmal in solchen Zeiten auch unser Glaube.

Ich möchte mich jedenfalls versuchen zu konzentrieren auf all das, wofür ich dankbar bin. Wir leben nach wie vor in Frieden. Ich darf wählen, lebe in einer Demokratie und das bleibt so, selbst wenn sich manche Bestimmungen gerade anders anhören können. Die meisten in unserem Land haben ein Dach über dem Kopf und leben in Verhältnissen, die es erlauben, Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Ja, ich wage trotz der Coronakrise zu sagen: Uns geht´s gold, wenn ich an die Geflüchteten denke, die in Camps in Griechenland zusammen gepfercht sind.
Wie wird es der Textilarbeiterin in Bangladesch ergehen, wenn bei uns jetzt keine Frühjahrsmode verkauft und damit dort auch viel weniger eingekauft wird?

Das alles möchte ich nicht vergessen.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Ulrike Schimmelpfeng


Tag 10:  Montag, 23. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie das auch? Manchmal denke ich für einen kurzen Moment: „So, nun reicht´s. Jetzt soll dieser Alptraum bitte ganz schnell zu Ende sein. Ich will aufwachen und alles ist wieder normal.“ Im Fernsehen sehe ich einen Bericht, wie eine italienische Familie mit dem umgeht, was man auch Lagerkoller nennt.
Vermutlich wird das bei dem ein oder anderen von uns in den kommenden Wochen immer mal wieder auftauchen, das Gefühl, sich jetzt bitte ganz schnell aus dieser absurden Situation befreien zu wollen. Ich kann das sehr gut verstehen.
Was können wir da tun?
Wir haben wenig Erfahrung damit. Die italienische Familie versucht es mit einer gewissen Tagesstruktur. Jeden Morgen wird etwas Frühsport auf der Dachterrasse gemacht. Jeden Tag ein paar Schularbeiten. Ähnliches höre ich auch von Menschen, die von Ihrer Arbeit freigestellt sind: Morgens den Wecker stellen und aufstehen. Sich ein „Corona Projekt“ vornehmen: etwas nähen, etwas endlich einmal ordnen, das Rückentraining mal wieder konsequent jeden Tag machen. Ich mache gute Erfahrungen damit, tief durchzuatmen. Oder auch einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen.
Und ich vermute, dass die alte Tradition, dreimal am Tag zu beten, eine gute Möglichkeit ist, dem Tag eine Struktur zu geben und die kreisenden Gedanken zu unterbrechen. Morgens um 7 oder 8 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends meist um 18 Uhr läuten viele Kirchenglocken. Zeit für ein kurzes Vater unser.
Papst Franziskus möchte am Mittwoch Mittag um 12 Uhr den besonderen Segen „Urbi et Orbi“ sprechen und fordert alle Christinnen und Christen auf, zeitgleich ein Vater unser zu beten.

Was tun Sie, um gut durchhalten zu können?
Schreiben Sie mir von Ihren Erfahrungen.
Ich bin allen, die sich bei mir gemeldet haben, sehr dankbar und freue mich über weitere Nachrichten.

Ihre Ulrike Schimmelpfeng

Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de
0175 99 52 777


Tag 8 Samstag 21. März 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine Woche ist vergangen, nachdem wir in unserer Gemeinde die Entscheidung getroffen haben, alle Gottesdienste und Veranstaltungen bis zum 19. April ausfallen zu lassen.
Eine Woche haben wir also schon geschafft!! Gott sei Dank.

ich habe versprochen, etwas zu schreiben zu der Vorstellung, die Corona Pandemie sei eine Strafe Gottes. Regionalbischöfin Petra Bahr aus Hannover hat dazu just einen Artikel veröffentlicht, den ich sehr gut finde. Daraus zitiere ich Ihnen und Euch hier einige Passagen.

Petra Bahr
Virus der Einsamkeit


in: Christ und Welt 20. März 2020
zitiert aus https://www.zeit.de/2020/13/coronavirus-naechstenliebe-einsamkeit-ausnahmezustand-zusammenhalt/komplettansicht
am März 2020 19.20 Uhr

„In diesem Ausnahmezustand melden sich theologische Weltdeuter zu Wort, selbst ernannte Propheten, die genau zu wissen scheinen, was die Stunde geschlagen hat. "Geißel Gottes", wird mir geschrieben, Antwort auf zügellose Liberalität und Globalisierung, eine Strafmaßnahme, die zur Umkehr ruft. ...
Selbst ernannte Propheten im 21. Jahrhundert gefallen sich darin, Panik und Horrorszenarien, verbunden mit Auserwählungsdünkel und religiöser Selbstgerechtigkeit, als Form der Evangelisierung zu missbrauchen. ...
Moralische Entrüstung verkehrt sich in endzeitliche Bußrede. Nein, Corona ist keine "Geißel Gottes". Was wäre das für ein Gott, der einen Strafzug durch die Zimmer der Alten und Kranken verordnete? Die Pandemie ist kein zynischer Erziehungsversuch Gottes, sondern eine Naturkatastrophe in Zeitlupe. Sie ist Teil dieser Wirklichkeit mit ihren Zweideutigkeiten, ihren vielen Schattierungen zwischen hellem Licht und tiefem Dunkel. In der Theologie heißt das "gefallene Schöpfung". (Hervorhebung Schimmelpfeng)
Die Welt war in diesem Sinne immer schon aus den Fugen, mal mehr und mal weniger. Menschen hatten in früheren Jahrhunderten mehr Erfahrung mit der Bedrohung durch Krankheiten, die ganze Landschaften entvölkerten. Davon zeugen viele alte Kirchenlieder, die uns möglicherweise neu ans Herz wachsen, weil sie es wagen, die tiefe Ohnmachtserfahrung und Erfahrung von Gottesfinsternis in Glaubensworten auszusprechen.
...
Was kann die christliche Antwort auf diesen Ausnahmezustand sein? Auf keinen Fall, die Pandemie mit religiösem Sinn auszustatten, sondern vom Gott der Passion aus zu fragen, was Christinnen und Christen gemeinsam und als Einzelne tun können, um in dieser dramatisch sich ändernden Wirklichkeit füreinander da zu sein. (Hervorhebung Schimmelpfeng) Gottesdienste sind verboten, Gottesbegegnungen sind es nicht. Viele nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung. Not lehrt nicht nur beten. Menschen treffen sich zu Twittergebeten und streamen Andachten, sie entwickeln Telefongottesdienste und richten Hotlines für Seelsorge und Gespräche ein.
...
Im Kirchenjahr ist die Zeit der Passion. Christinnen und Christen erinnern sich in diesen Wochen an den Leidensweg Christi. Sie üben jedes Jahr wieder neu den immer wieder skandalösen Gedanken, dass Gott sich in Ratlosigkeit und Liebesverrat, in Schmerz und in Todesangst zeigt und nicht in diktatorischer Weltlenkermanier. (Hervorhebung Schimmelpfeng)
Zum Gedanken der Passion gehört die Idee der Stellvertretung. Jemand nimmt für andere viel, im Falle Jesu sogar alles in Kauf. Der alte Gedanke des Opfers findet sein Ziel in der Hingabe für andere. Deshalb ist die Idee des Füreinandereinstehens keine oberflächliche Moralisierung des ehemals tiefen Kreuzesgeschehens, sondern seine praktische Folge. Nachfolge Christi, das ist dann keine Floskel, wenn die Kirche zu einem Ort wird, wo das Wohl der anderen im Mittelpunkt steht.“

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng



Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de
0175 99 52 777


Donnerstag, 19. März 2020
Besuch

An manchen Tagen
kommt der Himmel zu mir,
ein gern gesehener Gast.

Er sät Ermutigung
in meine Gedanken,
streut Licht
auf meine Pläne
und nährt mich
mit Sehnsuchtsbrot.

Meinen Fragen
lässt er Raum,
unter seinen Händen
schmelzen die Zweifel.

Er schenkt mir
Hoffnungssträuße,
die duften nach Bleiben
und ihre Farben fallen
mir leuchtend
aus Auge und Hand.
© Tina Willms

Mittwoch 18. März 2020

Durchbeten

Ich habe ein wunderbares Wort gehört von einer alten Frau.
Sie sagt angesichts der Corona Krise:
„Auch da muss ich mich nun durchbeten.“
Durchbeten, das erinnert mich an durchhalten, an durchbeißen,
oder auch durchkauen und durchdenken.

Ja, wir machen gerade eine sehr außergewöhnliche Zeit durch.
Vieles muss durchdacht werden,
sicher wird es darum gehen, dass wir mit langem Atem durchhalten.
Aber an ein „durchbeten“ habe ich bisher noch nie gedacht.
Gute Idee!

In vielen Gemeinden läuten die Glocken mehrfach am Tag,
in der Marktkirche zum Beispiel mittags um 12 Uhr.
Dies ist ein Aufruf zum Gebet mitten im Alltag.
Kurz innehalten und zum Beispiel ein Vater unser im Stillen beten.

Gerade in diesen Tagen können Sie sicher sein:
Sie beten nicht allein.
Viele beten gleichzeitig mit Ihnen.
Auf diese Weise sind wir verbunden, ohne dass wir uns unmittelbar treffen können.
So werden wir diese Wochen durchbeten und werden durchhalten!

Bleiben Sie behütet!
Ihre Ulrike Schimmelpfeng


Dienstag, 17. März 2020
Liebe Leserin, lieber Leser,

so langsam wird bei mir klarer, wie die kommenden Tage und Wochen geregelt sein werden.

Auch für Trauerfeiern ist jetzt entschieden, dass sie nur mehr in kleinen Kreisen unter freiem Himmel stattfinden können. Das ist bitter für die unmittelbaren Angehörigen und auch für manche, die gerne Abschied nehmen würden und dies nun nicht so unmittelbar werden tun können.
Vielleicht ist es für die, die nicht dabei sein können, gut, zur Zeit der Beisetzung innezuhalten, eine Kerze an zu zünden, an den Verstorbenen zu denken, an all das, was man gemeinsam erlebt hat. Vielleicht ist es gut, an die Angehörigen zu denken. Sich diesen Moment Zeit zu nehmen.
Später kann man das Grab aufsuchen, in manchen Fällen wird auch darüber nachzudenken sein, eine größere Trauerfeier nachzuholen, wenn das öffentliche Leben sich normalisiert.
Ich werde jedenfalls alles daransetzen, dass wir würdig Abschied nehmen und werde wie immer bei Trauerfeiern von unserer Hoffnung erzählen, unserer Hoffnung auf ein Getragen sein bei Gott im Leben und im Tod.

So langsam wird klarer wie die kommenden Tage und Wochen geregelt sein werden – das gilt auch für die Hilfsbereitschaft. Erste Initiativen, gerade von jungen Leuten, starten, den Hund auszuführen oder Einkäufe zu machen. Das finde ich großartig, dass Menschen so zum Engel für andere werden wollen (Schaun Sie sich doch auch das Fürbittengebet in der Rubrik Andachten an: Jetzt ,mein Gott, täten Engel gut).

Doch wie geht es Ihnen, die Sie diese Zeilen lesen?
Haben Sie Wünsche, wozu ich mal etwas schreiben sollte?
Finden Sie dies Angebot überhaupt sinnvoll?

Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören.
Schreiben Sie mir oder rufen mich an.

Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de
0175 99 52 777

Montag, 16. März 2020
Zum guten Ende führen – darauf hoffen wir in diesen Tagen wohl alle. Dies Unvorstellbare, das zur Zeit geschieht, möge ein möglichst gutes Ende nehmen.


Buschwindröschen im Holtenser Pfarrgarten Foto: Schimmelpfeng
Ich spüre gestern und heute, dass ich ganz schön schnell erschöpft bin.
Immerzu denke ich an die Auswirkungen der vielen Schließungen, die derzeit angeordnet werden: wie wird sich das anfühlen? Wie werden Kinder und Jugendliche mit der vielen freien Zeit und den Einschränkungen, was man alles nicht machen kann, zurechtkommen? Wer kauft für die Älteren ein, die nicht mehr aus dem Haus gehen sollten?
Was werden die nächsten Ankündigungen sein?

Diese Gedanken beschäftigen mich morgens, wenn ich wach werde genauso wie abends, wenn ich schlafen gehe.

So ähnlich geht es Menschen, die in Trauer sind: immerzu denkt man wieder an diese einschneidende Veränderung. Die Gedanken kreisen um die Lücke, die der Verstorbene hinterlässt. Oft sage ich Trauernden, dass sie sich nicht wundern sollen, wenn sie sich erschöpft fühlen, Trauer ist Arbeit.

Und so sehe ich es jetzt auch: manche sind erschöpft, weil sie in ihrem Beruf plötzlich schnell Entscheidungen treffen müssen, über die man sich nie zuvor Gedanken gemacht hat. Manche sind erschöpft, weil sie sich große Sorgen machen müssen um ihr Geschäft, den Einbruch der Einnahmen in den kommenden Wochen. Manche grübeln über die Frage, ob sie noch aus dem Haus gehen sollen oder lieber (fast) nicht. Wir müssen uns Gedanken machen über etwas, was noch nie da war. Die Ungewissheit und die Ohnmacht sind Gefühle, die einen stark beschäftigen. Diese Gedanken sind anstrengende Arbeit für die Seele, Arbeit, die ermüdet.

Wundern Sie sich also nicht, wenn sie erschöpft sind.
Vielleicht finden Sie Gelegenheit, mal kurz die Nase in die Sonne zu halten, sich an den vielen ersten Blüten zu erfreuen und tief durchzuatmen.
Ich rufe zu Gott, der unsere Sachen zu einem guten Ende führen möge!

Bleiben Sie behütet und melden Sie sich gern:
Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de
05151 106 74 71

Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng


Liebe Leserin, lieber Leser,

der Tag fühlte sich heute morgen erst einmal an wie ein freier Sonntag. Im Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, in welche Kirche ich denn heute mal gehen könnte, wie ich es sonst mache, wenn ich in keiner „meiner“ beiden Kirchen Dienst habe. Aber ach nein, es ist ja nirgends Gottesdienst.

Wie geht es Ihnen?
Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?

Gestern schien das Leben in der Fußgängerzone ganz normal zu sein, alle strömten zum Einkaufen oder ins Café. Dabei ist nichts mehr normal. Wo ich hinkam, gab es nur noch ein Gesprächsthema. Manche sagen, das würde alles übertrieben, andere machen sich übertrieben Sorgen. Der Mittelweg scheint mir das Wichtige zu sein: Besonnen aufeinander achten, indem wir auf Abstand gehen und mehr telefonieren und (auf den verschiedensten Wegen) schreiben.
Es ist ein wenig wie bei Salomo in der Bibel. Er bat um Verstand, auf das Richtige zu hören.
Das ist jetzt wirklich dran.

Schreiben Sie mir gern wie es Ihnen ergeht und was Sie beschäftigt.
Oder rufen Sie an.
Ich habe Zeit.

Ihre Pastorin Ulrike Schimmelpfeng

0175 / 99 52 777
Ulrike.Schimmelpfeng@evlka.de


Jahreslosung 2020: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24