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Andachten, Texte und Gottesdienste


Losung für Gründonnerstag, 9. April 2020:
Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen mit euch gehen.
Sacharja 8,21

Ostergottesdienst des Kirchenkreises aus dem Münster St. Bonifatius

Ab Ostersonntag 0.00 Uhr können Sie sich hier den Ostergottesdienst anschauen:
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Morgenandacht aus Radio Aktiv

Hier die aktuelle Morgendacht vom 9. April 2020 unseres heimischen Radiosenders "Radio Aktiv":

Audiodatei wird mit Genehmigung von Radio Aktiv hier veröffentlicht.


Andacht von Superintendent Philipp Meyer


Kirchen dürfen zur Andacht für Einzelpersonen geöffnet sein. Selbstverständlich unter den üblichen Sicherheitsvorkehrungen.
Die Marktkirche ist zur stillen Einkehr von Karfreitag bis Ostermontag jeweils von 12 bis 16 Uhr geöffnet.
Das Versammlungsverbot in Kirchen und Gotteshäusern ist damit nicht aufgehoben!
Gottesdienste finden nach wie vor ausschließlich Zuhause, im Radio, im Fernsehen und auf digitalem Weg statt

Hier die wichtigen Informationen:
  • Am Gründonnerstag geht ein Video-Gottesdienst des KK Hameln-Pyrmont Online: Wir haben für Sie einen Ostergottesdienst in verschiedenen Kirchen unseres Kirchenkreises aufgenommen. Diesen Gottesdienst können Sie -nach Freischaltung - auf unserer Seite anschauen.
  • Karfreitag. 10.4.: Radio Aktiv: 8-9 Uhr Sendung des Kantatengottesdienst-Teams - Radio Aktiv: 9:10 Uhr Angedacht - Radio Aktiv: 15-16 Uhr Zeit mit Gott. Geistliche Stunde aus dem Kirchenkreis - Ev.-Fernseh-Gottesdienst: 10 Uhr, ARD
  • Ostersonntag, 12.4. Radio Aktiv: 9-10 Uhr Zeit mit Gott. Geistliche Stunde aus dem Kirchenkreis - Radio Aktiv: 10-11 Uhr Nachgefragt bei Superintendent Philipp Meyer - Radio Aktiv: 11:10 Uhr Angedacht
  • Ostermontag, 13.4. Radio Aktiv: 8-9 Uhr Sendung des Kantatengottesdienst-Teams - Radio Aktiv: 9:10 Uhr Angedacht - Ev. Fernsehgottesdienst: 10 Uhr, ARD

Hier die wichtigsten Informationen für un sere Marktkirche:
Offene Kirche

Die niedersächsische Landesregierung hat es ermöglicht, dass Kirchen an den Feiertagen geöffnet werden.
Die Marktkirche St. Nicolai wird deshalb von Karfreitag bis Ostermontag jeweils von 12 bis 16 Uhr zum Gebet Einzelner geöffnet sein.
Dabei gelten die Abstandsregeln wie gewohnt, es findet kein Gottesdienst statt.

Sie haben in der Kirche die Möglichkeit
• eine Kerze zu entzünden
• in Ruhe zu beten
• an der Wäscheleine guter Worte einen Text mitzunehmen oder aufzuhängen
• ein Passionsbild zu betrachten
• und ab Ostersonntag sich an der Osterkerze zu erfreuen

Herzlich willkommen!

Andacht von Pastor Uwe Rumberg

Ringen mit Gott

Jakob musste kämpfen, ringen um Leben und Tod, so fühlte es sich jedenfalls an.
Mitten in der Nacht, an der Furt des Flusses Jabbok war er angegriffen worden.
Ein langer Weg war es gewesen, der in hierher gebracht hatte.
Vor 20 Jahren aus der Heimat geflohen: Er hatte seinen Bruder hereingelegt, betrogen, um den Segen des Vaters gebracht. Und der Bruder wollte ihn erschlagen. Darum war er ins Exil gegangen. Dort hatte er gelebt, später auch geheiratet – zweimal sogar: Denn er war selbst betrogen worden. In der Hochzeitsnacht war ihm Lea ins Zelt gebracht worden, die ältere Schwester der geliebten Rahel. Da hatte er erlebt, wie sich das anfühlte, hereingelegt worden zu sein.
Er hatte Rahel dann doch auch noch heiraten können.
Und nun wollte Jakob wieder in die alte Heimat, hoffte, sich mit seinem Bruder versöhnen zu können.
Und jetzt das: An der Schwelle zur Heimat, an der Furt des Flusses Jabbok, wurde er angegriffen.
Ringen musste er um sein Leben. Wer da mit ihm kämpfte? Irgendein Fremder? Oder musste er mit sich selbst ringen? Oder war es Gott, der ihn herausforderte?
Die biblische Geschichte bleibt da offen, vieldeutig.
Die ganze Nacht dauert der Kampf. Keiner kann den anderen besiegen.
Jakob wird verletzt, bekommt einen Schlag auf die Hüfte, der ihn den Rest seines Lebens hinken lässt. Aber er lässt nicht locker.
Als der Morgen heraufzieht bittet der andere, Jakob soll ihn loslassen.
Und Jakob antwortet: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“
Höchst ungewöhnlich, diese Forderung.
Aber der andere gibt nach: Jakob bekommt einen neuen Namen: Israel, das heißt Gottes-Streiter.
Denn, so begründet es sein Gegenüber: „Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.“

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte in diesen Tagen?
Ich habe wahrgenommen, dass Menschen im Angesicht der Corona-Epidemie um ihren Glauben ringen.
Wie kann es sein, dass eine solche Krankheit sich so schnell ausbreitet, unser ganzes gewohntes Leben lahmlegt und zahllose Tote fordert?
Und: Was heißt das für unseren Glauben?
Manche behaupten jetzt, diese Krankheit wäre eine Strafe Gottes. Aber wofür? Und warum jetzt und warum sollte es vor allem alte Menschen treffen oder solche, die sowieso schon erkrankt sind?
Nein: Ich bin sicher, diese Behauptung führt in die Irre.
So sehe ich Gott nicht.
Aber diese Krankheit ist ohne Frage eine Herausforderung für den Glauben. So wie Jakob am Jabbok herausgefordert wird und mit Gott ringt.
Erst ist es ein stummes Ringen, die ganze Nacht. Aber als der Morgen dämmert, Jakob schon verletzt ist, da fordert er von seinem Gegenüber den Segen.
Ja, Jakob scheint sich sicher zu sein: In dieser schwierigen Situation kann er Gottes Segen erringen.
Und er bekommt ihn.
Aber: Das Ringen bleibt nicht ohne Spuren. 
So kommt mir auch unsere Situation im Augenblick vor:
Noch ist nicht erkennbar, wohin uns diese Krise führt. Noch wissen wir nicht, wie wir danach mit unserem Glauben dastehen werden.
Aber wir dürfen Gottes Segen einfordern. Wir dürfen Gott festhalten, ja ihn schütteln, mit ihm ringen, verlangen, dass er uns segnet.
Und ich bin zuversichtlich, Gott wird uns seinen Segen nicht entziehen, auch wenn unser Glauben danach nicht mehr der gleiche sein wird, wir vielleicht sogar ein Stück mit unserem Glauben hinken werden.
„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“

Die Geschichte geht dann noch weiter: Jakob und sein Bruder Esau begegnen sich.
Auf einer Fortbildung habe ich einmal in der Rolle von Jakob diese Begegnung nachgespielt.
Und eine ganze Zeitlang musste ich mir anhören, wie verschiedene Menschen Esau eine Stimme gaben, es prasselte nur so auf mich ein.
Und plötzlich unterbrach unser Ausbilder die Situation, legte mir die Hand auf die Schulter und fragte: „Alles in Ordnung mit dir? Brauchst du etwas?“
Da habe ich den Segen Gottes erfahren: In dieser Hand auf meiner Schulter, in der Frage, was ich brauche, wie es mir geht.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie in diesen schwierigen Zeiten eine Hand spüren, die bei ihnen ist, erfahren, dass mitten im Ringen jemand da ist, der sich vergewissert, dass es ihnen gut geht.
Mögen Sie Gottes Segen erfahren!

Pastor Uwe Rumberg
(Ich freue über Rückmeldungen von Ihnen: Uwe.Rumberg@evlka.de – 05151 1067471)



Regionalbischof Eckhard Gorka hat am 2. Advent in unserer Marktkirche anlässlich des 60. Jahrestages der Wiedereinweihung unserer Marktkirche gepredigt.
Freundlicherweise hat er uns diese Predigt auch schriftlich zur Verfügung gestellt.
Gerade in diesen Tagen liest sie sich noch einmal neu und gibt Hoffnung auf Gottes Gnade und Heil in bedrängenden Zeiten. Lesen Sie selbst:

60 Jahre Kirchweih Marktkirche Hameln
2. Kor 6, 2

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt – Jesus Christus. Amen
Liebe Schwestern und Brüder,
herzlich gratuliere ich Ihnen zur 60. Wiederkehr der Kirchweih der Marktkirche und danke, dass Sie mich heute eingeladen haben, um hier zu predigen.
In Teilen ist das auch ein Wagnis, denn die Gründergeneration lebt noch. Ob jemand hier ist, der oder die auch am 6. Dezember 1959 bei der Kirchweih dabei war ?
Sie alle haben den Vorteil der Augenzeugenschaft. Aber ich hatte Unterlagen über die Bau-geschichte der Vorgängerbauten, über die Zerstörung in den letzten Kriegstagen, das Rin-gen um die Form des Wiederaufbaus, die Haftkraft der Provisorien. Ich lese das alles mit großem Interesse. Berührt hat mich, dass die Unterlagen der Versuchung widerstehen, die Kirchengeschichte als Pastorengeschichte zu erzählen. Nein, das ist eine Stadt- und Ge-meindegeschichte. Der Marktkirchenturm gehört einfach zu Hamelns Silhouette. Es ist die Geschichte einer selbstbewussten Gemeinde. Und so möchte ich zu Beginn all jenen Per-sönlichkeiten danken, die mir in den zurückliegenden Tagen bei der Lektüre begegnet sind: Die den Kirchbau betrieben und Mittel eingeworben haben, die geplant und gebaut haben, die mit Finanzen und Fürbitte geholfen haben, dass er errichtet werden konnte. Und allen Mitarbeitenden der Gemeinde, die ihn mit Leben gefüllt haben, mit Lachen und Weinen, Jubel und Schweigen, Beten und Singen, Glauben und Zweifel.
All den Kirchenvorstehern, Musikerinnen, Küstern, Pastorinnen – Ihnen allen, die Sie mit zur Besatzung oder den Passagieren des Marktkirchenschiffes gehören oder gehört haben und schon im Himmel sind. Danke.

1959. Da schaut man, was sonst so los war. Bundeskanzler Konrad Adenauer will überraschend auch Bundespräsident werden, gewählt wird am Ende Heinrich Lübke. Russland schlägt Deutschland einen Friedensvertrag vor: Wenn wir uns nicht militarisieren und aus allen Bündnissen austreten, werden die beiden Landesteile vereinigt. Fidel Castro kommt auf Cuba an die Macht. Das Transistorradio der Arbeiter auf der Baustelle der Marktkirche spielt Freddy, denn der sieht einen Zusammenhang zwischen der Gitarre und dem Meer.
Das Hazy-Osterwald-Sextett stimmt den Kriminal-Tango an und Chris Howland berichtet unter dem Titel „Das hab ich in Paris gelernt“ von einem amourösen Bildungserlebnis. 1959 erlebt die Marktkirchengemeinde so etwas wie die Gnade des Nullpunktes.
Das ist eine erste Illustration jenes Satzes, den ich gern aus diesem Jubiläumsanlass mit Ihnen bedenken möchte.
„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“
In einer ganz schwierigen Situation schreibt Paulus das an eine angefochtene Gemeinde, eine Hausgemeinde ohne Kirchgebäude. Der Glaube an Christus hat sie aus der sie umgebenden Gesellschaft fast ausgeschlossen, die Hoffnung auf die Rückkehr Christi zu ihren Leb-zeiten wurde immer mehr enttäuscht. Der Blick zurück macht sie traurig, der Blick nach vorn macht ihnen Angst. Und Paulus sagt: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade!“ Ein ungeheurer Satz, den nur der Glaube sagen kann.
Ich war 1959 vier Jahre alt. Ein Dorfkind. Ich erinnere mich gut an Traditionen und Konventionen. An Dinge, die man tut und andere, die sich nicht gehören. Ich habe eine traditionelle Kirchlichkeit erlebt. In der Straße meiner Kindheit wohnten merkwürdigerweise nur Onkel und Tanten, obwohl wir mit ihnen nicht verwandt waren. In der Straße meiner Kindheit, an der auch die Kirche liegt, gingen die Menschen sechs Mal im Jahr zur Beerdigung, jeder wusste, wie so etwas geht. In derselben Straße wohnen heute vermutlich genauso viele Menschen. Aber die gehen nur noch einmal in sechs Jahren zu einer Beerdigung.
Ich denke, Sie verstehen das Bild. Da ist viel an Konvention, normativer Prägekraft und Nachbarschaft verlorengegangen. Auch wir in den Gemeinden merken das. In der Straße meiner Kindheit hatte alles seine Ordnung, aber schon 1967 und dann 1968 ist diese Ordnung schwer durchgeschüttelt worden, hat sich in manchem ganz aufgelöst.
1957 – zwei Jahre vor der Kirchweih veröffentlich Hartmut Schelsky seine bahnbrechende Soziologie der Nachkriegsjugend.
Er schreibt: „Für die Fremdheit der Jugend im kultischen Leben der Kirche macht man die Tatsache mitverantwortlich, dass heute das Erfahrungsfeld der „Gemeinde” bereits in der Familie fehlt, dass z.B. im familiären Begehen der Feiertage ihr religiöser Anlass fast völlig verschwunden ist, wie überhaupt das familiäre Leben an Gefühlstiefe und -bedeutung sehr viel eingebüßt hat, so dass schon von hieraus die Jugend unterkühlt in Gemüts- und Kulturbeziehungen erscheint. ... Alle Kennzeichen der „skeptischen Generation”, ihr Pragmatismus, ihr Realitätsanspruch, ihr Terminierungsbedürfnis tauchen in der Einstellung zur Religion wieder auf.” (Schelsky 482/ 484)
Das klingt bedrückend aktuell und gilt für die Straße meiner Kindheit wie für das Gemeindegebiet der Marktkirche.
Ertappen Sie sich auch manchmal dabei zu denken: Früher war manches schöner, jedenfalls einfacher, klarer, geordneter? Wer so denkt hat Recht, denn seit dem Bau der Marktkirche hat es eine niemals zuvor beobachtete Geschwindigkeit der Pluralisierung, Vervielfältigung von Familien-, Privatheits- und Lebensformen gegeben. Kirche? Ist zu einer Freizeit-Option geworden. Glaube? Auch eine Möglichkeit. Aber welcher Glaube? Es gibt ja so viele. Und die Glaubenskonflikte wirken auch nicht glaubensstärkend.
Umso wichtiger der Widerspruch des Paulus: „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.“ Gnade beschreibt die Beziehung Gottes zu uns Menschen. Gnade ist Gottes Zuvorkommen gegenüber uns Sündern. Gnade ist Gottes Höflichkeit gegenüber uns Sterblichen.
Und Gnade ist es, wenn wir den Blick Gottes auf die Welt bezeugen und nicht allein unsere Perspektive.
Die Geschichte der Marktkirche ist Teil von Gottes Gnadengeschichte. Jeder Tag soll wissen:
Du bist Teil von Gottes Gnadengeschichte. Jetzt ist der Tag des Heils. Der Satz des Paulus ist eine dringende Bitte, Gott nicht in der von uns als angenehmer empfundenen Vergangenheit einzusperren, sondern ihn an jedem, wirklich jedem Tag an seinem Heilswerk zu sehen. Heute. Und morgen wieder.
Morgen – das kann heißen: Wir werden uns immer wieder neu organisieren müssen. Fast 700 Kirchen gibt es in unserem Sprengel. Die Hälfte aller Sakralgebäude befindet sich in Südniedersachsen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass wir Kirchgebäude aufgeben müssen, unsere Zelte andernorts neu aufschlagen. Und auch dann sollen wir sagen: Jetzt ist die Zeit der Gnade. Gnade ist eine Seh- und Verstehenshilfe. Ist der Kirchbau mit Steinen abgeschlossen, baut Gott seine Kirche mit Gnade weiter. Halte Gott nicht aus deinem Leben und aus deinem Erleben heraus. Sieh ihn am Werk. „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.“
Nicht Null-, sondern Höhepunkt der Gnade. 60 Jahre Marktkirche heißt auch: 60 Jahre Lebensbegleitung einer zwischen Selbstüberschätzung und Selbstzweifel schwankenden Gesellschaft.
Darüber können alle Beteiligten von Herzen froh sein. Jubiläen haben es so an sich, dass man sich umschaut. Und beim Umschauen kommen einem gelegentlich Einsichten in den Blick, die dieser Rück-und Umschau eine neue Wendung geben. Eine dieser Einsichten stammt von Ernst Bloch, dem Philosophen der Hoffnung.
Er sagt einmal: „Nur jenes Erinnern ist fruchtbar, welches zugleich daran erinnert, was noch zu tun ist.“ Die Gegenwart ist verwirrend. So vielfältig, so viele Wahlmöglichkeiten, dauernd muss man sich entscheiden. Zur Freiheit hat Christus uns befreit. Aber zur Wahlfreiheit sind wir ebenso verurteilt.
Ernst Bloch sieht in einem Jubiläum eine Chance, sich selbstkritisch zu fragen, was auf der Strecke geblieben ist. Warum klappt es mit der Weitergabe des Glaubens so schwer? Warum nimmt die Taufbereitschaft ab? Warum werden wir nicht mehr? Was können, müssen wir anders machen? Haben wir als Kirche eine zu langsame Veränderungsgeschwindigkeit unserer Formen? Erwarten wir zu wenig? Ist unsere Adventszeit zu kurz? Oder hängen wir zu sehr am Sichtbaren und Messbaren und zu wenig an der unermesslichen Dynamik Gottes?
Ist der gelebte Glaube mit dem Gebäudebestand mitgewachsen? Es hat an der Wiedererrichtung der im Krieg zerstörten Kirchen auch Kritik gegeben. Noch 1960 kamen 200.000 Menschen aus der damaligen Ostzone in die damalige Bundesrepublik.
Die wollten alle wohnen. Und wir errichten in der Zeit so viele Kirchen neu, wie es vor dem Krieg insgesamt gegeben hat. Was können wir tun? Wir bitten Gott, den Herrn, dass er uns nicht nur den Hinweg in reiche Zeiten als Gnade empfinden lässt, sondern auch den Rückweg in eine neue  Bescheidenheit.
Gott hat die Weitergabe des Glaubens, das Auswerfen eines Lebensankers, in unsere Hände gelegt. Wir sollen Zeuginnen und Zeugen der Gnade Gottes sein, können von und zu ihm reden, als gäbe es ihn für uns, können Neugier und Interesse an Christus wecken. Den Glauben schafft Gott dann allein. Sie finden das mühsam? Ich auch. Aber in Wahrheit ist es Gnade. Ein unglaubliches Privileg, am Zuvorkommen und der Höflichkeit Gottes beteiligt zu sein. Eine Lebens- und Sterbenshilfe.
Der Austausch über den Glauben muss aus dem Exil des Peinlichen gerettet und befreit werden. Ich bin dankbar in einer Gesellschaft zu leben, in der das ungehindert möglich ist und denke beschämt an alle Christen und Kirchen, die für ihren Glauben mit Ansehen oder gar Tod bedroht sind.
Ob etwas wird und was wird, liegt auch an uns begnadigten Sündern. Der Bau der Marktkirche liegt 60 Jahre zurück. Der Bau der Kirche Gottes für seine Menschen liegt jeden Tag neu vor uns. Und für jeden dieser Tage gilt: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade; siehe, jetzt
ist der Tag des Heils.“
Gott segne alle Glieder und Gäste der Marktkirchengemeinde mit dem Reichtum seiner
Gnade.

Amen

Pastorin Schimmelpfeng hat in der Aegidiengemeinde Holtensen, für die sie mit ihrer anderen halben Stelle zuständig ist, die Gelegenheit bekommen, einen Videogruß aufzunehmen. Diesen stellen wir Ihnen auch hier auf der Marktkirchenhomepage zur Verfügung - verbunden mit einem herzlichen Dank an Herrn Grossekettler, der die technische Realisierung ermöglichte. Sie sehen Altar und Taufstein der St. Aegidienkirche Holtensen, die 1908 erbaut wurde.
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Andacht von Pastorin Bianca Reinecke, Berufsschulpastorin

Fürbittengebet
Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.
An unserer Seite und um uns herum.
Denn wir brauchen Mut.
Und Phantasie.
Und Zuversicht.
Darum: Sende deine Engel.

Zu den Kranken vor allem.
Stille

Und zu den Besorgten.
Stille

Sende deine Engel zu denen,
die anderen zu Engeln werden:
Ärztinnen und Pfleger,
Rettungskräfte und Arzthelferinnen,
alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.
Stille

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen
in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,
in Politik und Wirtschaft.
Stille

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut.
Du hast sie schon geschickt.
Sie sind ja da, um uns herum.
Hilf uns zu sehen, was trägt.
Was uns am Boden hält
und mit dem Himmel verbindet,
mit dir, mein Gott.
Denn das ist’s, was hilft und tröstet.
Jetzt und in Ewigkeit.
Amen.


Andacht zum Sonntag Okuli

Unser Pastor Detlef Richter hat für Sie eine Andacht zum letzten Sonntag verfasst,
die Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen können:

Andacht zum Sonntag Okuli - Pastor Detlef Richter




Hier eine "Lesepredigt"  von Doris Joachim, EKHN Zentrum Verkündigung
Engel.
Sie lagern um uns herum.
Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme – je nach dem.
Sie schützen nicht vor dem Virus.
Aber vor der Angst.
Das können sie:
Uns die Angst nehmen.
Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt.
Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit.
Aber sie können die verängstigte Seele wiegen.
In ihren Armen oder Flügeln – je nach dem.

Im Moment reicht ein Engel nicht.
Da brauchen wir schon ein paar mehr.
Die Fülle der himmlischen Heerscharen,
wie damals – als Jesus geboren wurde –
da waren sie alle da.
Die Engel.
Und sie haben gesagt: Fürchtet euch nicht.
Denn sie fürchteten sich – also die Hirten.
Und wir fürchten uns auch.
Vor dem, was plötzlich kommen könnte.
Oder was schon da ist.
Wir fürchten uns vor der Ungewissheit und vor dem,
was uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht.
Damals haben die Engel eine große Freude verkündet,
die allem Volk widerfahren soll.
Nämlich, dass der Heiland geboren sei.

Das klingt wie von einem anderen Stern.
„Große Freude.“
Aber wieso sollte das nicht auch heute gelten?
Ist Gott etwa nicht da, nur weil das Virus da ist?
Fürchtet euch nicht.
Das will ich auch jetzt hören.
Daran halte ich mich fest.
Mitten in der Angst – Freude.
Mitten in der Angst – ein Lächeln.
Mitten in der Angst – helfende Menschen.
Mitten in der Angst – Solidarität unter uns.
Das gibt es ja alles.
Trotz Corona. Mancherorts auch gerade wegen Corona.
Mitten in der Angst, mitten in der Sorge – die Engel.
Sie schützen nicht vor dem Virus – so ist das halt.
Aber es sind die himmlischen Wesen, die uns Bodenhaftung geben können.

Ich will meine Augen öffnen und die Engel sehen.
Oder hören. Oder spüren.
In mir, hinter mir, neben mir.
Auch in den Menschen, denen ich begegne.
Jetzt halt etwas mehr auf Abstand oder am Telefon.
So geht es auch.
Gottes Engel lagern um uns her und helfen uns heraus.
Das glaube ich gewiss.

Doris Joachim



Jahreslosung 2020: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24